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Darum ist mir innerstädtische Mobilität so wichtig

Man möchte dieser Tage fast die Lust am Autofahren verlieren, gleichgültig, in welcher europäischen Grossstadt man unterwegs ist. Das Bild ist immer das gleiche. Neben den Baustellen säumen sich mit der zunehmenden Nutzung des e-Commerce und den damit verbundenen hochfrequenten und ganztägigen Zustellungen der zahlreichen Paketdienste etliche Lastwagen, die zur Anlieferung mitten auf der Strasse parkieren und den Fliessverkehr blockieren. Gerne auch zwei Sprinter so versetzt, dass von beiden Seiten niemand durchkommt. Denn die Parkplätze links und rechts werden entweder durch stehende Taxis blockiert oder durch PKW, die nach gemittelt 12 Minuten Parkplatzsuche und zweifacher Runde um den Block etwas Glück hatten, einen der wenigen öffentlichen Parkplätze auf der Strasse zu ergattern. Der Rückstau geht an manchen Orten gar soweit, dass die Weiterfahrt der Tram verhindert wird. Noch spassiger wird es bei Veranstaltungen und Events. Das Treiben schaut man sich in der parku-Stadt Zürich zum Beispiel rund um den Letzigrund zu jedem FC Zürich-Spiel an.

Unter Zeitdruck kochen dem ein oder anderen Mitbürger da schon mal die Emotionen auf. Und diese Erfahrung teilen nicht nur Besitzer eines Autos, auch Carsharing-Nutzer sind davon betroffen. Zwar kann ich die Autos der meisten Anbieter abstellen, wie mir beliebt, aber im innerstädtischen Stau stecke ich trotzdem fest.

Natürlich könnte ich auch einfach das Auto stehen lassen oder die öffentlichen Verkehrsmittel wählen. Ich gestehe, ich bin ein Fan des Velofahrens; und das nicht erst seitdem ich 2 Jahre in Amsterdam gewohnt habe. Doch spätestens, wenn ich shoppen gehe und mich mit unhandlichen Verpackungen oder gar einem Kasten Bier in der Hand aufs Velo wage, laufe ich Gefahr, aus dem Verkehr gezogen zu werden. Und bei aller Liebe zu den öffentlichen Verkehrsmitteln (ihr habt mich das ein oder andere Mal nachts sicher nach Hause gebracht) – ich möchte die Wahl behalten, wann ich welches Verkehrsmittel wähle und mir nicht vorgeben lassen, wie ich mich fortzubewegen habe. Nicht alles lässt sich via Drahtesel, Bus, S-Bahn oder Straßenbahn transportieren. Vor allem nicht, wenn ich ausserhalb der Innenstadt lebe.

Dabei könnte alles so viel leichter sein: In den Innenstädten stehen massenhaft ungenutzte Parkflächen in privaten oder teil-öffentlichen Tiefgaragen leer, die entweder tagsüber durch Privatpersonen oder abends sowie am Wochenende von Unternehmen und Behörden frei zurückgelassen werden. Strassen könnten wieder mehr Platz für  Radwege und/oder Grünflächen bieten, sie könnten insgesamt auch wieder sicherer für spielende Kinder werden.

Die nächste infrastrukturelle Herausforderung der Stadtplaner steht mit der Elektromobilität vor der Tür, denn ohne flächendeckende Abdeckung durch Ladesäulen ist auch die Reichweite des Autos mit der grössten Batterie begrenzt. So müssen erneut öffentliche Parkflächen reduziert werden, um diese für Elektroautos zu reservieren. Doch warum müssen diese Installationen überhaupt auf der Strasse stattfinden, wenn es marktreife Technologien gibt, die allen Autofahrern die Zufahrt zu beschrankten Parkplätzen in Innenhöfen oder Tiefgaragen geben?

Seit einem Jahr kämpfe ich tagtäglich darum, den Autofahrern abseits der Strasse zu einem Parkplatz zu verhelfen und sie per App direkt dorthin zu navigieren. Wir bei parku leben die Vision, den Suchverkehr zu verringern und diese privaten und teil-öffentlichen Flächen effizienter und nachhaltiger zu nutzen. Mit dem Ziel, die innerstädtische Mobilität zu revolutionieren und zukunftsorientiert zu gestalten, hoffe ich auf Eure Unterstützung und werde von nun an monatlich meine Eindrücke von der Jagd auf ungenutzte Parkplätze teilen.

 

 

 

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